Eisernes Kreuz — Bedeutung des Symbols und des Tattoos
Das Eiserne Kreuz ist ein schwarz umrandetes Tatzenkreuz, das 1813 als preußische Kriegsauszeichnung gestiftet wurde und heute als Hoheitszeichen der Bundeswehr dient; die Fassung von 1939 trug das Hakenkreuz und ist in Deutschland verboten.

SYMBOLKARTE — EISERNES KREUZ
Eisernes Kreuz — Bedeutung des Symbols
Das Eiserne Kreuz ist ein historisches deutsches Kreuzsymbol mit nach außen breiter werdenden Armen. Ursprünglich eine preußische Militärauszeichnung von 1813 nach einem Entwurf Schinkels, ist es seit 1956 Hoheitszeichen der Bundeswehr. Die NS-Fassung von 1939 mit Hakenkreuz fällt unter § 86a StGB — die Ebenen sind sauber zu trennen.
- BEDEUTUNG
- Das Eiserne Kreuz ist ein schwarz umrandetes Tatzenkreuz, das 1813 als preußische Kriegsauszeichnung gestiftet wurde und heute als Hoheitszeichen der Bundeswehr dient; die Fassung von 1939 trug das Hakenkreuz und ist in Deutschland verboten
- HERKUNFT
- Germanisch
- ELEMENT
- Erde
- POPULARITÄT
- ★★★☆☆
Auf einen Blick
Das Eiserne Kreuz ist ein historisches deutsches Kreuzsymbol mit nach außen breiter werdenden Armen. Ursprünglich eine preußische Militärauszeichnung von 1813 nach einem Entwurf Schinkels, ist es seit 1956 Hoheitszeichen der Bundeswehr. Die NS-Fassung von 1939 mit Hakenkreuz fällt unter § 86a StGB — die Ebenen sind sauber zu trennen.
Was bedeutet das Symbol?
Das Eiserne Kreuz ist ein Tatzenkreuz: vier Arme, die sich nach außen verbreitern, meist schwarz mit silberner oder weißer Umrandung. Anders als die meisten Symbole dieser Enzyklopädie ist es kein gewachsenes Bedeutungszeichen, sondern eine gestiftete Auszeichnung mit einem Datum, einem Stifter und einem Entwerfer — und genau das ist der Schlüssel zu seinem Verständnis.
In seiner ursprünglichen Funktion stand es für Tapferkeit in der Verteidigung, verliehen ohne Ansehen von Rang oder Stand. Heute ist es das Hoheitszeichen der Bundeswehr und kennzeichnet deren Fahrzeuge, Luftfahrzeuge und Schiffe.
Das Symbol trägt allerdings mehrere Ebenen übereinander, die man auseinanderhalten muss. Erstens: das preußisch-deutsche Kreuz von 1813 — eine Auszeichnung, kein NS-Zeichen. Zweitens: die Fassung von 1939, die in der Mitte das Hakenkreuz trug und in Deutschland unter § 86a StGB fällt. Drittens: das schlichte Kreuz der Bundeswehr seit 1956. Und viertens: die Verwendung in Biker- und Rockabilly-Subkulturen, wo es als Provokationszeichen ohne politischen Anspruch kursiert — und, davon zu trennen, als Erkennungszeichen in Teilen der rechten Szene. Wer das Motiv wählt, entscheidet nicht über diese Ebenen, aber er sollte sie kennen.
Geschichte
Gestiftet wurde das Eiserne Kreuz am 10. März 1813 von König Friedrich Wilhelm III. von Preußen, mitten in den Befreiungskriegen gegen Napoleon. Den Entwurf lieferte der Architekt Karl Friedrich Schinkel; die Form geht auf das mittelalterliche Tatzenkreuz des Deutschen Ordens zurück. Neu und für die Zeit bemerkenswert war das Prinzip: Es stand allen Soldaten unabhängig vom Rang offen — eine Auszeichnung für Leistung, nicht für Geburt. Auch das Material war Programm: Eisen statt Gold, in einer Zeit, in der Bürger Goldschmuck gegen Eisen eintauschten, um den Krieg zu finanzieren.
Das Kreuz wurde nicht dauerhaft verliehen, sondern für jeden Krieg neu gestiftet: 1870 durch Wilhelm I., 1914 durch Wilhelm II., 1939 durch Hitler. Diese letzte Stiftung ist der entscheidende Bruch: Die Fassung von 1939 trug in der Mitte das Hakenkreuz und die Jahreszahl. Als solche ist sie ein NS-Kennzeichen und in Deutschland nach § 86a StGB verboten.
Die Nachkriegszeit hat diese Ebenen dann rechtlich sortiert. Das Ordensgesetz von 1957 erlaubte das Tragen älterer Auszeichnungen nur in entnazifizierter Fassung — beim Eisernen Kreuz von 1939 wurde das Hakenkreuz durch ein Eichenlaub ersetzt. Und 1956 übernahm die neu gegründete Bundeswehr bewusst die schlichte, auf Schinkel zurückgehende Gestalt als Hoheitszeichen und knüpfte damit ausdrücklich an 1813 an, nicht an 1939.
Parallel entstand eine ganz andere Karriere: In der amerikanischen Kustom-Kulture der 1950er und 1960er Jahre — Hot Rods, Chopper, Rockabilly — wurde das Eiserne Kreuz zum Accessoire der Rebellion, weitgehend gelöst von seiner Herkunft. Diese Lesart prägt bis heute einen großen Teil der Tattoo-Verwendung.
Bedeutung in den Kulturen der Welt
Kein anderes deutsches Symbol trägt so viele klar datierbare Bedeutungsschichten:
| Ebene | Bedeutung und Status |
|---|---|
| Deutscher Orden (Mittelalter) | Tatzenkreuz als Formvorlage — Ordenszeichen, keine Auszeichnung |
| Preußen ab 1813 | Tapferkeitsauszeichnung, Entwurf Schinkel, rangunabhängig verliehen |
| 1870 / 1914 | Neustiftungen für die jeweiligen Kriege; Massenauszeichnung im Ersten Weltkrieg |
| 1939 (NS) | Fassung mit Hakenkreuz — in Deutschland nach § 86a StGB verboten |
| Bundesrepublik ab 1956 | schlichtes Kreuz als Hoheitszeichen der Bundeswehr |
| Kustom Kulture / Biker (USA, ab 1950er) | Rebellionszeichen ohne politischen Anspruch, weltweit in Tattoo und Mode |
| Rechte Szene | in Teilen als Erkennungszeichen genutzt — kontextabhängig, nicht generell verboten |
Entscheidend ist: Die Ebenen lassen sich historisch sauber trennen, aber nicht optisch. Ein schlichtes Eisernes Kreuz auf der Haut trägt kein Datum. Was es bedeutet, entscheidet der Kontext, in dem es gesehen wird — und der ist in Deutschland ein anderer als in den USA.
Psychologische Bedeutung
Auszeichnungen wirken, weil sie Anerkennung sichtbar machen. Das Eiserne Kreuz war darin von Anfang an radikal: Es honorierte die Tat, nicht den Stand — und wurde gerade deshalb so begehrt. Die psychologische Wirkung eines Ordens beruht auf dieser Gleichung aus Risiko, Zeugenschaft und Zeichen.
In der Subkultur kehrt sich das um. Wenn Biker der 1960er Jahre das Kreuz trugen, ging es nicht um Verdienst, sondern um Abgrenzung: Man wählte ein Zeichen, das die bürgerliche Umgebung irritiert, und lud es mit der eigenen Bedeutung von Freiheit und Regelbruch. Das funktionierte in den USA, wo das Symbol fremd genug war, um bloß gefährlich zu wirken.
In Deutschland funktioniert diese Verschiebung nicht. Hier ist das Kreuz kein exotisches Zeichen, sondern Teil der eigenen Geschichte — mit Bundeswehr auf der einen und 1939 auf der anderen Seite. Wer es hier trägt, wird gelesen, nicht interpretiert. Das macht es nicht unmöglich, aber es macht die Entscheidung zu einer, die man begründen können sollte.
Wissenswertes
- Der Name kommt vom Material: Eisen statt Gold — passend zu einer Zeit, in der Bürger Goldschmuck gegen Eisen tauschten, um die Befreiungskriege zu finanzieren.
- Die Form geht auf das Tatzenkreuz des Deutschen Ordens zurück; entworfen hat sie Karl Friedrich Schinkel, der auch das Alte Museum in Berlin baute.
- 1813 war es die erste preußische Auszeichnung, die unabhängig vom Rang verliehen wurde — ein für die Zeit ungewöhnlich egalitärer Gedanke.
- Es war keine dauerhafte Auszeichnung, sondern wurde für jeden Krieg neu gestiftet: 1813, 1870, 1914, 1939.
- Das Ordensgesetz von 1957 erlaubte das Tragen der 1939er Auszeichnung nur ohne Hakenkreuz — an dessen Stelle trat ein Eichenlaub.
- Seit 1956 führt die Bundeswehr das schlichte Kreuz als Hoheitszeichen — bewusst in der Schinkel-Form von 1813.
- In der US-amerikanischen Kustom Kulture der 1950er/60er Jahre wurde das Kreuz zum Zubehör der Hot-Rod- und Chopper-Szene — der Ursprung seiner Präsenz in Biker-Tattoos.
Literatur
- Neubecker, Ottfried: Heraldik. Wappen — ihr Ursprung, Sinn und Wert.
- Strafgesetzbuch, § 86a — Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.
- Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen (Ordensgesetz) von 1957 — Primärquelle zur entnazifizierten Fassung.
- Bundesamt für Verfassungsschutz: Broschüre zu Symbolen und Kennzeichen des Rechtsextremismus.


