SYMBOLARIUM

Kreuz — Bedeutung des Symbols und des Tattoos

Das Kreuz ist das zentrale Symbol des Christentums und erinnert an die Kreuzigung Jesu, an Erlösung, Glaube und Opferbereitschaft — als gekreuztes Zeichen ist es jedoch weit älter als der christliche Glaube.

Kreuz — Bedeutung des Symbols

SYMBOLKARTE — KREUZ

Kreuz — Bedeutung des Symbols

Das Kreuz verweist im Christentum auf den Tod und die Auferstehung Jesu und damit auf die Erlösung des Menschen. Zugleich ist das gekreuzte Zeichen weit älter als das Christentum und stand schon in vorchristlicher Zeit für Sonne und Himmelsrichtungen. Aus einem römischen Hinrichtungswerkzeug wurde so das meistverbreitete religiöse Zeichen der Welt.

BEDEUTUNG
Das Kreuz ist das zentrale Symbol des Christentums und erinnert an die Kreuzigung Jesu, an Erlösung, Glaube und Opferbereitschaft
HERKUNFT
Christlich
ELEMENT
Äther
POPULARITÄT
★★★★★
DAVIDSTERN (MAGEN DAVID)HALBMOND MIT STERN

Auf einen Blick

Das Kreuz verweist im Christentum auf den Tod und die Auferstehung Jesu und damit auf die Erlösung des Menschen. Zugleich ist das gekreuzte Zeichen weit älter als das Christentum und stand schon in vorchristlicher Zeit für Sonne und Himmelsrichtungen. Aus einem römischen Hinrichtungswerkzeug wurde so das meistverbreitete religiöse Zeichen der Welt.

Was bedeutet das Symbol?

Das Kreuz ist das wichtigste Zeichen des Christentums. Es erinnert an die Kreuzigung Jesu und deutet dessen Tod als Opfer, das dem Menschen Erlösung eröffnet. Für Gläubige verbindet das Bild deshalb Gegensätze, die sonst schwer zusammengehen: Leid und Hoffnung, Schuld und Vergebung, Ende und Anfang. Ein Hinrichtungsgerät wird zum Heilszeichen — diese Umkehrung ist der Kern der christlichen Deutung.

Doch die Form selbst ist älter als jede Religion, die sie beansprucht. Zwei sich schneidende Linien markieren die vier Himmelsrichtungen, die Mitte, in der sie sich treffen, und damit den Ort, an dem Waagerechtes und Senkrechtes zusammenkommen. Als Sonnenkreuz — das Kreuz im Kreis — erscheint das Zeichen in prähistorischen Ritzungen quer über Europa, lange bevor es einen christlichen Sinn erhielt. Die Grundform ist so einfach, dass sie an vielen Orten unabhängig entstand.

Als Tattoo trägt das Kreuz beide Ebenen. Am häufigsten steht es für Glaube und persönliche Frömmigkeit oder für das Gedenken an einen Verstorbenen — dann oft mit Datum, Namen oder Rosenkranz. Daneben wird es als schlichtes Ordnungszeichen gewählt: als Halt, an dem man sich ausrichtet. Wichtig ist die Form, denn sie trägt die Bedeutung: Ein Kruzifix mit Korpus meint etwas anderes als ein leeres, gleicharmiges Kreuz.

Geschichte

In der römischen Antike war das Kreuz kein Symbol, sondern ein Werkzeug. Die crucifixio galt als besonders entehrende Hinrichtungsart, vorgesehen vor allem für Sklaven, Aufständische und Nichtbürger; römische Bürger blieben davon in der Regel verschont. Der Tod trat langsam ein, öffentlich sichtbar, an einer Straße — die Strafe sollte abschrecken. Dass die frühen Christen ausgerechnet dieses Gerät zum Zeichen ihrer Hoffnung machten, war für ihre Umwelt eine Zumutung, und die ältesten christlichen Gemeinden nutzten daher lange lieber Fisch, Anker oder das Christusmonogramm.

Die Wende kam im 4. Jahrhundert. Nachdem Konstantin das Christentum zuließ und die Kreuzigung als Strafe schließlich abgeschafft wurde, verlor das Zeichen seine Schmach und wurde zum Heilszeichen. Von da an entwickelte sich eine reiche Formenwelt: das lateinische Kreuz mit verlängertem Fuß, das gleicharmige griechische Kreuz der Ostkirche, das Ankerkreuz, das keltische Hochkreuz mit Ring und das Petruskreuz.

Das umgekehrte Petruskreuz verdient eine Klarstellung: Es ist ursprünglich ein christliches Märtyrerzeichen. Nach altkirchlicher Überlieferung bat Petrus darum, kopfüber gekreuzigt zu werden, weil er sich nicht für würdig hielt, wie Christus zu sterben; als Symbol steht es traditionell für Demut. Die Lesart als antichristliches oder satanistisches Zeichen ist modern und entstand erst im 19. und 20. Jahrhundert. Im Mittelalter war das Kreuz längst allgegenwärtig — auf Kirchen, Wappen, Feldzeichen, an Wegkreuzungen und über Türschwellen.

Bedeutung in den Kulturen der Welt

Die gekreuzte Form ist so elementar, dass sie in fast jeder Kultur auftaucht — mit sehr unterschiedlichem Sinn:

KulturDeutung des Kreuzes
ChristlichKreuzigung und Auferstehung Christi; Erlösung, Opfer, Zeichen des Glaubens
Vorchristlich-europäischSonnenkreuz und Radkreuz: Sonnenlauf, Jahreskreis, die vier Richtungen
ÄgyptischDas Anch, ein Kreuz mit Schlaufe, als Zeichen des Lebens in Götterhänden
OstkirchlichGleicharmiges griechisches Kreuz: Ausgewogenheit statt Betonung des Leidens
KeltischHochkreuz mit Ring — christliches Kreuz, verbunden mit älterer Kreisform
Andines AmerikaDie Chakana, ein Stufenkreuz, als Ordnungsbild von Welt und Himmelsrichtungen

Daraus lässt sich kein gemeinsamer Ursprung ableiten, wohl aber eine gemeinsame Logik: Wo zwei Linien sich kreuzen, entsteht ein Zentrum. Fast alle Kulturen haben diese Mitte gedeutet — als Ort der Ordnung, der Begegnung oder der Verbindung von Oben und Unten.

Spirituelle Bedeutung

Spirituell wird das Kreuz vor allem über seine Achsen gelesen. Die senkrechte Linie verbindet Himmel und Erde, die waagerechte spannt sich zwischen den Menschen aus; ihr Schnittpunkt gilt als der Ort, an dem beides zusammenfällt. Diese Deutung ist alt und wird in der christlichen Mystik ebenso beschrieben wie in der vergleichenden Symbolkunde — das Kreuz erscheint dort als Bild eines Weltenmittelpunkts, verwandt der Vorstellung von Weltenbaum und Weltensäule.

In der christlichen Frömmigkeit hat das Zeichen zudem eine praktische Seite. Das Kreuzzeichen, mit der Hand über Stirn und Brust geschlagen, begleitet Gebet, Segen und Alltag; im Volksglauben galt es als Schutzgeste an Schwellen, Wegkreuzungen und über Türen. Nicht das Bild wirkt hier, sondern die Handlung, die es vergegenwärtigt.

Die Kreuzform wird darüber hinaus als Bild des Annehmens gedeutet: „sein Kreuz tragen“ meint in dieser Sprache nicht Resignation, sondern die bewusste Übernahme dessen, was sich nicht abwerfen lässt. Als Tattoo wird das Motiv häufig in genau diesem Sinn gewählt — als stille Erinnerung an eine Last, die getragen und nicht verleugnet wird.

Wissenswertes

  • Die ältesten Christen mieden das Kreuz als Bildzeichen. Verbreiteter waren Fisch (Ichthys), Anker, Taube und das Christusmonogramm Chi-Rho.
  • Eine der frühesten bekannten Darstellungen einer Kreuzigung ist das Spottkruzifix vom Palatin in Rom — eine Ritzung, die einen Gekreuzigten mit Eselskopf zeigt und den Glauben verhöhnen sollte.
  • Das Anch der Ägypter, ein Kreuz mit Schlaufe, bedeutete „Leben“ und wurde von koptischen Christen später als crux ansata weitergeführt.
  • Das Petruskreuz ist ein Demutszeichen und erscheint bis heute in kirchlicher Kunst; die satanistische Deutung ist eine moderne Umwidmung.
  • Das Rote Kreuz ist kein religiöses Zeichen: Es entstand 1863 als Umkehrung der Schweizer Flagge zu Ehren des Gründungslandes.
  • In der Heraldik existieren über hundert unterschiedene Kreuzformen — vom Tatzenkreuz bis zum Jerusalemkreuz mit vier Beikreuzen.

Literatur

  • Biedermann, Hans: Knaurs Lexikon der Symbole. Droemer Knaur.
  • Cooper, J. C.: Illustriertes Lexikon der traditionellen Symbole. Drei Lilien Verlag.
  • Jacobus de Voragine: Legenda aurea, diverse deutsche Ausgaben.
  • Die Bibel, Evangelien, wissenschaftliche Übersetzungen und Editionen.

Häufige Fragen

Was bedeutet das Kreuz im Christentum?
Es steht für die Kreuzigung und Auferstehung Jesu und damit für Erlösung, Glaube und das Opfer, durch das nach christlicher Lehre die Sünden der Menschen vergeben werden. Aus einem Hinrichtungsgerät wurde ein Zeichen der Hoffnung.
Gab es das Kreuz schon vor dem Christentum?
Ja. Das gekreuzte Zeichen ist uralt und stand lange zuvor für die vier Himmelsrichtungen, den Sonnenlauf und die Mitte, in der Waagerechtes und Senkrechtes zusammentreffen. Als Sonnenkreuz erscheint es in prähistorischen Ritzungen quer durch Europa.
Welche Kreuzformen gibt es?
Verbreitet sind das lateinische Kreuz mit langem Fuß, das gleicharmige griechische Kreuz der Ostkirche, das keltische Hochkreuz mit Ring, das ägyptische Anch und das umgekehrte Petruskreuz. Die Heraldik unterscheidet über hundert Varianten.
Ist das umgekehrte Kreuz ein satanisches Zeichen?
Ursprünglich nicht. Das umgekehrte Kreuz ist das Petruskreuz und erinnert an das Martyrium des Apostels Petrus, der der Überlieferung nach kopfüber gekreuzigt werden wollte — es galt als Zeichen der Demut. Die antichristliche Deutung entstand erst in der Neuzeit.
Warum nutzten die frühen Christen das Kreuz kaum?
Weil die Kreuzigung eine besonders entehrende römische Hinrichtungsart war und das Gerät für die Zeitgenossen mit Schande verbunden blieb. Die ersten Gemeinden bevorzugten daher Fisch, Anker oder das Christusmonogramm.
Was bedeutet ein Kreuz als Tattoo?
Meist Glaube und persönliche Frömmigkeit oder das Gedenken an einen Verstorbenen, oft ergänzt um Namen oder Datum. Daneben wird es als schlichtes Zeichen innerer Ausrichtung getragen. Ein Kruzifix mit Korpus meint dabei etwas anderes als ein leeres Kreuz.

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