Davidstern (Magen David) — Bedeutung des Symbols und des Tattoos
Der Davidstern (Magen David) ist ein sechszackiger Stern und das bekannteste Symbol des Judentums sowie des Staates Israel.

SYMBOLKARTE — DAVIDSTERN (MAGEN DAVID)
Davidstern (Magen David) — Bedeutung des Symbols
Der Davidstern besteht aus zwei ineinandergelegten Dreiecken, die ein Hexagramm bilden. Als Zeichen jüdischer Identität ist er erst seit dem Mittelalter belegt; heute ziert er Synagogen, Grabsteine und die Flagge Israels.
- BEDEUTUNG
- Der Davidstern (Magen David) ist ein sechszackiger Stern und das bekannteste Symbol des Judentums sowie des Staates Israel
- HERKUNFT
- Hebräisch
- ELEMENT
- Äther
- POPULARITÄT
- ★★★★☆
Auf einen Blick
Der Davidstern besteht aus zwei ineinandergelegten Dreiecken, die ein Hexagramm bilden. Als Zeichen jüdischer Identität ist er erst seit dem Mittelalter belegt; heute ziert er Synagogen, Grabsteine und die Flagge Israels.
Was bedeutet das Symbol?
Der Davidstern (hebräisch Magen David, „Schild Davids“) ist ein Hexagramm aus zwei gleichseitigen, gegeneinander gerichteten Dreiecken. Als wichtigstes Zeichen des Judentums steht er für jüdische Zugehörigkeit, für den Bund zwischen Gott und dem Volk Israel und — seit 1948 — für den Staat Israel.
Deutungen der Form gibt es viele, und sie sind ausnahmslos nachträglich: das Zusammenwirken von Himmel und Erde, von göttlichem Herabsteigen und menschlichem Streben; die sechs Zacken als die Richtungen des Raumes mit Gott in der Mitte; die zwölf Kanten als die zwölf Stämme. Keine dieser Lesarten steht in der Tora — sie wurden dem Zeichen zugewachsen, nachdem es bereits jüdisch war.
Genau darin liegt das Besondere des Davidsterns. Anders als die Menora, die in der Tora beschrieben wird, ist er kein vorgegebenes Kultzeichen, sondern ein Symbol, das eine Gemeinschaft im Lauf ihrer Geschichte angenommen hat. Seine Bedeutung stammt nicht aus seiner Form, sondern aus dem, was mit ihm geschah.
Als Tattoo wird er meist als Bekenntnis zur eigenen Herkunft getragen. Zu bedenken ist dabei, dass die Halacha, das traditionelle jüdische Religionsgesetz, Tätowierungen ablehnt — die Entscheidung verlangt Kenntnis dieses Spannungsverhältnisses.
Geschichte
Als geometrische Figur ist das Hexagramm uralt und universell. Es erscheint als Ornament in mesopotamischen, indischen, islamischen und christlichen Zusammenhängen — meist ohne jede religiöse Bedeutung, oft als Dekor oder als Zeichen in magischen Handschriften, wo es auch mit König Salomo verknüpft wurde. Ein Zeichen, das jeder mit Zirkel und Lineal findet, gehört zunächst niemandem.
Die feste Verbindung mit dem Judentum ist mittelalterlich. Der entscheidende Schritt geschah in Prag: Ab dem 14. Jahrhundert führte die dortige jüdische Gemeinde den Stern als Gemeinde- und Wappenzeichen; von Prag aus verbreitete er sich über die aschkenasischen Gemeinden Mitteleuropas. Er wurde zum Erkennungszeichen — funktional das, was das Kreuz für die Christen war.
Im 19. Jahrhundert wählte die zionistische Bewegung den Stern als Emblem; er erschien auf dem ersten Zionistenkongress 1897 und ging 1948 auf die Flagge Israels über.
Dazwischen liegt die schwerste Schicht seiner Geschichte. Im nationalsozialistischen Machtbereich wurden Jüdinnen und Juden ab 1941 gezwungen, den gelben Stern öffentlich zu tragen — ein Zwangsabzeichen zur Stigmatisierung, Ausgrenzung und Vorbereitung der Deportation. Das Zeichen der eigenen Identität wurde zum Mittel der Verfolgung umfunktioniert.
Dass derselbe Stern drei Jahre nach der Befreiung auf der Flagge eines Staates stand, gehört zu den bemerkenswertesten Umwertungen der Symbolgeschichte.
Bedeutung in den Kulturen der Welt
Das Hexagramm ist die Form; der Davidstern ist eine ihrer Bedeutungen. Der Unterschied wird in der Übersicht sichtbar:
| Kontext | Bedeutung des Hexagramms |
|---|---|
| Vormodern, allgemein | Ornament ohne religiösen Gehalt; in vielen Kulturen unabhängig entstanden |
| Magische Handschriften | „Siegel Salomos“; Schutzzeichen in jüdischen, islamischen und christlichen Texten |
| Jüdisch ab dem 14. Jh. | Gemeindezeichen von Prag; von dort Erkennungszeichen der aschkenasischen Gemeinden |
| Zionismus (19. Jh.) | Emblem der Bewegung; ab dem ersten Zionistenkongress 1897 |
| NS-Zeit (ab 1941) | Gelber Stern als aufgezwungenes Kennzeichen zur Stigmatisierung und Verfolgung |
| Staat Israel (ab 1948) | Nationales Zeichen auf der Flagge; auch Emblem des Magen David Adom |
Die Reihenfolge ist die Aussage: Ein neutrales Ornament wird zum Gemeindezeichen, das Gemeindezeichen zum Zwangsabzeichen, das Zwangsabzeichen zum Zeichen eines Staates. Der Davidstern ist kein zeitloses Symbol — er ist eines, dessen Geschichte man mitträgt.
Spirituelle Bedeutung
Der Name Magen David — „Schild Davids“ — stammt nicht aus der Bildkunst, sondern aus der Liturgie. Die Segensformel nach der Haftara-Lesung preist Gott als Schild Davids; gemeint ist dort Gott selbst als Schutz, kein Gegenstand und erst recht kein Zeichen. Dass sich der Name später auf ein Sechseck legte, ist eine spätere Entwicklung, nicht der Ursprung der Formel.
Gershom Scholem, der die Geschichte des Zeichens erforscht hat, betonte diesen Punkt: Der Stern trat seinen Weg nicht aus der Mitte der jüdischen Religion an, sondern von ihren Rändern her — aus Amuletten, Handschriften und Gemeindesiegeln. Er wurde nicht offenbart, sondern gewählt.
Daraus ergibt sich eine Deutung, die der Geschichte gerecht wird: Der Davidstern bedeutet nicht durch seine Geometrie, sondern durch das Zusammenleben mit ihm. Er ist ein Zeichen der Zugehörigkeit — und Zugehörigkeit ist nichts, was ein Dreieckspaar ausdrücken könnte; sie entsteht daraus, dass Menschen sich über Jahrhunderte darin wiedererkannt haben.
Wer den Stern trägt, trägt deshalb keine Aussage über Kosmos oder Zahlen, sondern über Herkunft. Das ist mehr, nicht weniger.
Wissenswertes
- Der Davidstern kommt in der Tora nicht vor. Anders als die Menora, deren Bau im Buch Exodus beschrieben wird, ist er kein biblisch vorgegebenes Zeichen.
- Die Menora war über Jahrhunderte das eigentliche Symbol des Judentums — sie ist bis heute das Staatswappen Israels, während der Stern die Flagge trägt.
- Die Prager Altneuschul und das Prager Judenviertel gelten als Ausgangspunkt der jüdischen Verwendung des Sterns ab dem 14. Jahrhundert.
- Gershom Scholem wies nach, dass der Stern seinen Weg über Amulette, Siegel und magische Handschriften nahm — nicht über den religiösen Kernbestand.
- Der israelische Rettungsdienst heißt Magen David Adom, „Roter Davidstern“; sein Emblem ist seit 2006 international als gleichwertig zu Rotem Kreuz und Rotem Halbmond anerkannt.
- Das Hexagramm erscheint als Ornament an mittelalterlichen Kirchen und auf islamischen Bauwerken — dort ohne jeden jüdischen Bezug.
- Die traditionelle Halacha lehnt Tätowierungen ab (Levitikus 19,28). Die verbreitete Behauptung, Tätowierte dürften nicht auf jüdischen Friedhöfen bestattet werden, ist allerdings ein hartnäckiger Irrtum ohne Grundlage im Religionsgesetz.
Literatur
- Scholem, Gershom: Judaica 1. Suhrkamp.
- Tanach / Hebräische Bibel, in wissenschaftlichen Übersetzungen.
- Biedermann, Hans: Knaurs Lexikon der Symbole. Droemer Knaur.
- Cooper, J. C.: Illustriertes Lexikon der traditionellen Symbole. Drei Lilien Verlag.
Häufige Fragen
Was bedeutet der Davidstern?
Warum heißt er Magen David?
Steht der Davidstern in der Tora?
Ist das Hexagramm ein rein jüdisches Zeichen?
Welche Rolle spielte der gelbe Stern in der NS-Zeit?
Ist ein Davidstern als Tattoo angemessen?
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