SYMBOLARIUM

Om (ॐ) — Bedeutung des Symbols und des Tattoos

Om (Aum) ist die heilige Ursilbe des Hinduismus und Buddhismus und gilt als der Urklang, aus dem das gesamte Universum hervorgeht.

Om (ॐ) — Bedeutung des Symbols

SYMBOLKARTE — OM (ॐ)

Om (ॐ) — Bedeutung des Symbols

Om ist der bedeutendste Mantra-Laut der indischen Religionen. Als Klang des Ursprungs verbindet er Körper, Geist und Kosmos und wird bei Meditation und Gebet gesungen.

BEDEUTUNG
Om (Aum) ist die heilige Ursilbe des Hinduismus und Buddhismus und gilt als der Urklang, aus dem das gesamte Universum hervorgeht
HERKUNFT
Indisch
ELEMENT
Äther
POPULARITÄT
★★★★★
LOTUSMANDALAYIN UND YANG

Auf einen Blick

Om ist der bedeutendste Mantra-Laut der indischen Religionen. Als Klang des Ursprungs verbindet er Körper, Geist und Kosmos und wird bei Meditation und Gebet gesungen.

Was bedeutet das Symbol?

Om (auch Aum geschrieben) ist die heilige Ursilbe des Hinduismus, Buddhismus und Jainismus. Sie gilt als der Urklang des Universums — der Ton, aus dem alle Schöpfung hervorging und in dem sie fortwährend widerhallt. Als Mantra eröffnet und beschließt Om Gebete, Rezitationen und Meditationen.

Die drei Laute A-U-M werden traditionell dreifach gedeutet: als Schöpfung, Erhaltung und Auflösung; als die Bewusstseinszustände Wachen, Träumen und Tiefschlaf; als Erde, Zwischenraum und Himmel. Entscheidend ist jedoch das Vierte: die Stille nach dem Klang. Sie steht für das absolute, unbeschreibliche Sein, das sich keiner der drei Silben zuordnen lässt — die Mandukya-Upanishad widmet diesem vierten Zustand ihren Kern.

Om ist damit kein Zeichen für etwas, sondern der Versuch, das Unaussprechliche hörbar zu machen. In der Tätowierung drückt das Symbol innere Ruhe, Achtsamkeit und die Verbundenheit mit einem Ganzen aus, das größer ist als das eigene Leben — häufig als stiller Bezug auf eine Meditations- oder Yogapraxis.

Geschichte

Om erscheint bereits in den ältesten vedischen Schriften Indiens, zunächst als ritueller Zustimmungslaut der Priester bei der Opferrezitation. In den Upanishaden — den philosophischen Spätschriften der vedischen Überlieferung — wurde daraus etwas Grundsätzliches: der klangliche Ausdruck des höchsten Prinzips Brahman. Die Mandukya-Upanishad, die kürzeste von allen, besteht fast vollständig aus einer Analyse dieser einen Silbe.

Patanjalis Yogasutra bestimmt Om als das Wort, das den Ishvara bezeichnet, und empfiehlt seine Rezitation als Weg der Sammlung. Die Bhagavadgita nennt die Silbe unter den höchsten Ausdrucksformen des Göttlichen. Buddhismus und Jainismus übernahmen sie und gaben ihr eigene Rahmen — am bekanntesten im tibetischen Mantra Om mani padme hum.

Das geschriebene Zeichen ॐ ist deutlich jünger als der Laut. Es entwickelte sich aus indischen Schriften und erhielt seine heutige Gestalt in der Devanagari-Schrift; andere Schriftsysteme Südasiens schreiben Om ganz anders — die tibetische, tamilische und balinesische Form sehen einander kaum ähnlich. Über die Yoga-Bewegung des 20. Jahrhunderts gelangte das Devanagari-Zeichen in den Westen und wurde dort zum meistverwendeten Symbol für Spiritualität überhaupt.

Bedeutung in den Kulturen der Welt

Om wird von mehreren Religionen getragen, die es jeweils anders einbetten:

TraditionBedeutung von Om
VedischRitueller Zustimmungslaut bei der Opferrezitation; Eröffnung heiliger Texte
HinduistischKlangliche Gestalt des Brahman; A-U-M als Schöpfung, Erhaltung, Auflösung
Buddhistisch (tibetisch)Eröffnung von Mantras wie Om mani padme hum; eigene Schriftform
JainistischAkronym für die fünf höchsten Wesen (Pancha Parameshthi)
SikhIk Onkar — „Ein Schöpfer“ — als eigenständige, verwandte Formel am Beginn des Guru Granth Sahib
Balinesisch-hinduistischEigene Zeichenform Ongkara; zentral in Tempelarchitektur und Ritual

Wichtig ist die Unterscheidung: Was im Westen als „das Om-Zeichen“ gilt, ist konkret die Devanagari-Form. Wer das Symbol als Tattoo wählt, wählt damit implizit eine bestimmte Tradition — die tibetische oder balinesische Schreibung wäre eine andere, ebenso legitime Entscheidung.

Spirituelle Bedeutung

Spirituell gilt Om als Klangbrücke: ein Laut, der nicht beschreibt, sondern verbindet. Die Rezitation beginnt mit einem offenen A tief in der Kehle, wandert über das U durch den Mundraum nach vorn und schließt mit dem M an den Lippen — die Silbe durchläuft den ganzen Klangraum des Körpers. Diese Bewegung wird als Bild für den Weg vom Groben zum Feinen gedeutet.

Die eigentliche Praxis zielt jedoch nicht auf den Ton, sondern auf das Nachklingen. Nach dem Verklingen des M bleibt eine Stille, die in den Quellen turiya genannt wird — der vierte Zustand jenseits von Wachen, Traum und Tiefschlaf. Om wird gesungen, um in diese Stille zu gelangen; der Klang ist Mittel, nicht Ziel.

Wer Om als Symbol trägt, verweist damit meist auf diese Haltung — auf Sammlung, Achtsamkeit und die Bereitschaft, hinter dem Lärm etwas anderes zu suchen. Als Zeichen einer lebendigen religiösen Praxis von Millionen Menschen verlangt es einen respektvollen Umgang.

Wissenswertes

  • Die Mandukya-Upanishad ist mit zwölf Versen die kürzeste der klassischen Upanishaden — und behandelt darin fast ausschließlich die Silbe Om.
  • Om hat ein eigenes Unicode-Zeichen: ॐ (U+0950, „Devanagari Om“) — und wird damit von jedem modernen Betriebssystem als Schriftzeichen unterstützt.
  • Die tibetische, tamilische, bengalische und balinesische Schreibweise von Om sehen einander kaum ähnlich; das im Westen bekannte Zeichen ist die Devanagari-Form.
  • Im Jainismus gilt Om als Akronym: Die Laute stehen für die fünf höchsten Wesen der Lehre, die Pancha Parameshthi.
  • Om trägt in Indien den Beinamen Pranava — „das, was ertönt“ oder „das immerwährend Klingende“.
  • Da das Zeichen als heilig gilt, ist es in indischen Traditionen unüblich, es an Füßen, Waden oder in der Nähe unreiner Körperregionen darzustellen — ein Punkt, den viele Tätowierer bei der Platzierung ansprechen.

Literatur

  • Die Upanishaden, insbesondere die Mandukya-Upanishad, in wissenschaftlichen Übersetzungen.
  • Deussen, Paul: Sechzig Upanishad's des Veda. Brockhaus, Leipzig.
  • Patanjali: Yogasutra, diverse deutsche Ausgaben.
  • Bhagavadgita, diverse deutsche Ausgaben.

Häufige Fragen

Was bedeutet das Om-Zeichen?
Om steht für den Urklang des Universums und das höchste kosmische Prinzip. Es vereint Schöpfung, Erhaltung und Auflösung in einer einzigen heiligen Silbe — und verweist mit der Stille danach auf das Unbeschreibliche.
Aus welchen Teilen besteht das Om-Symbol?
Das geschriebene Zeichen setzt sich aus geschwungenen Kurven, einem Halbmond und einem Punkt zusammen, die die Bewusstseinszustände Wachen, Träumen und Tiefschlaf sowie das Transzendente darstellen.
Darf man Om als Tattoo tragen?
Ja, viele tragen es respektvoll als Zeichen für Frieden und Spiritualität. Da es heilig ist, gilt es als achtsam, es nicht an Füßen oder unreinen Körperstellen zu platzieren.
Was ist der Unterschied zwischen Om und Aum?
Keiner in der Sache — Aum ist lediglich die ausgeschriebene Form derselben Silbe. Die Schreibung mit drei Buchstaben macht die traditionelle Dreiteilung A-U-M sichtbar, die jeweils eigene Bedeutungsebenen trägt.
Ist Om nur hinduistisch?
Nein. Die Silbe wird auch im Buddhismus und Jainismus verwendet, jeweils mit eigener Deutung — im Jainismus etwa als Akronym für die fünf höchsten Wesen. Der Sikhismus kennt mit Ik Onkar eine verwandte, eigenständige Formel.
Was bedeutet Om mani padme hum?
Es ist das bekannteste Mantra des tibetischen Buddhismus, verbunden mit dem Bodhisattva des Mitgefühls. Es wird oft mit Juwel im Lotus wiedergegeben, gilt in der Tradition aber als nicht vollständig übersetzbar.

Verwandte Symbole

Auch interessant

Weiter stöbern