Othala (ᛟ) — Bedeutung des Symbols und des Tattoos
Othala (ᛟ) ist die letzte Rune des Älteren Futhark und bedeutet „Erbgut“ oder „Heimat“ — sie steht für Ahnenerbe, Familienbesitz und Herkunft, wurde jedoch von der NS-Ideologie vereinnahmt und zählt heute zu den meistgenutzten Zeichen der extremen Rechten.

SYMBOLKARTE — OTHALA (ᛟ)
Othala (ᛟ) — Bedeutung des Symbols
Othala schließt das Ältere Futhark ab und verkörpert das ererbte Land, die Familie und das Ahnenerbe. Diese alte Bedeutung ist historisch belegt — ebenso aber die Vereinnahmung der Rune durch die NS-„Blut und Boden“-Ideologie und ihre Rolle als Erkennungszeichen der heutigen extremen Rechten. Beides gehört zum Symbol.
- BEDEUTUNG
- „Erbgut“ oder „Heimat“
- HERKUNFT
- Germanisch, Nordisch
- ELEMENT
- Erde
- POPULARITÄT
- ★★★☆☆
Auf einen Blick
Othala schließt das Ältere Futhark ab und verkörpert das ererbte Land, die Familie und das Ahnenerbe. Diese alte Bedeutung ist historisch belegt — ebenso aber die Vereinnahmung der Rune durch die NS-„Blut und Boden“-Ideologie und ihre Rolle als Erkennungszeichen der heutigen extremen Rechten. Beides gehört zum Symbol.
Was bedeutet das Symbol?
Othala — auch Odal oder Ēðel genannt — bezeichnet das ererbte Gut, den Stammbesitz, der in einer Familie von Generation zu Generation weitergereicht wird. Wo Fehu, die erste Rune, den beweglichen Reichtum des Viehs meint, steht Othala, die letzte, für den festen, unveräußerlichen Besitz: Grund, Boden und Heimstatt. Ihre Form — eine geschlossene Raute auf zwei auslaufenden Schenkeln — wird oft als umfriedetes Gehöft gelesen; belegt ist diese Deutung nicht.
Als Sinnbild verkörpert Othala Herkunft, Ahnenerbe und Zugehörigkeit: das, was man nicht erwirbt, sondern empfängt und bewahrt. Das angelsächsische Runengedicht setzt schlicht an, das Heim sei jedem Menschen überaus lieb.
An dieser Stelle muss der Artikel deutlich werden. Othala ist kein unbelastetes Zeichen. Der Nationalsozialismus machte die Rune zum Bildzeichen seiner „Blut und Boden“-Ideologie; sie erscheint als Abzeichen mehrerer NS-Organisationen und SS-Einheiten. Heute gehört sie zu den meistgenutzten Ersatzsymbolen der extremen Rechten — international wie in Deutschland, wo sie in Berichten der Verfassungsschutzbehörden als einschlägiges Kennzeichen geführt wird. Wer sie sich stechen lässt, trägt diese Rezeption mit, ob er sie meint oder nicht.
Geschichte
Othala ist die vierundzwanzigste und letzte Rune des Älteren Futhark, Lautwert o; ihr rekonstruierter Name lautet ōþala. Im jüngeren Futhark der Wikingerzeit fällt sie fort — sie ist damit ein Zeichen der frühen, kontinentalen und angelsächsischen Runenreihen, nicht der Wikinger. Im angelsächsischen Fuþorc heißt sie ēðel, „Heimat, Erbgut“.
Der Name knüpft an einen realen Rechtsbegriff an: das germanische und altnordische óðal, den Grundbesitz, der einer Sippe verhaftet blieb und nicht frei veräußert werden durfte. Der Odalsbauer war nicht Eigentümer im modernen Sinn, sondern Verwalter eines Erbes — daher die Doppelbedeutung von Land und Abstammung.
Diesen Doppelsinn machte sich die NS-Ideologie zunutze. Sie las die Rune als Zeichen von „Blut und Boden“, also der behaupteten Einheit von Rasse und Scholle. Die Rune wurde zum Emblem des Rasse- und Siedlungshauptamtes der SS, sie erscheint im Landdienst der Hitlerjugend, sie gab der Zeitschrift Odal ihren Namen, und die 7. SS-Freiwilligen-Gebirgs-Division „Prinz Eugen“ führte sie — in einer Variante mit angesetzten Füßchen an den Schenkeln — als Divisionsabzeichen.
Nach 1945 riss diese Linie nicht ab. Die Wiking-Jugend, eine 1994 in Deutschland verbotene neonazistische Organisation, führte die Odal-Rune mit Füßchen als Emblem — weshalb genau diese Variante als Kennzeichen einer verbotenen Vereinigung unter § 86a StGB fällt. Die schlichte Rautenform ist nicht pauschal verboten, gilt aber als eines der gängigsten Ersatzsymbole der Szene und wird von Verfassungsschutzbehörden entsprechend beobachtet.
Bedeutung in den Kulturen der Welt
Die Rune hat in verschiedenen Epochen sehr verschiedene Inhalte transportiert — der Überblick trennt sie:
| Kontext | Verwendung und Bedeutung |
|---|---|
| Älteres Futhark | 24. und letzte Rune, Lautwert o, Name ōþala — Erbgut |
| Angelsächsisches Fuþorc | ēðel; das Runengedicht nennt das Heim jedem Menschen überaus lieb |
| Jüngeres Futhark (Wikingerzeit) | entfällt — die Rune gehört nicht zum Zeichenbestand der Wikinger |
| Altnordisches Recht | óðal als unveräußerlicher Sippenbesitz; Land und Abstammung in einem Begriff |
| NS-Zeit | Zeichen von „Blut und Boden“; RuSHA, HJ-Landdienst, SS-Division „Prinz Eugen“ (Variante mit Füßchen) |
| Nach 1945 | Emblem der 1994 verbotenen Wiking-Jugend; heute verbreitetes Ersatzsymbol der extremen Rechten |
Die Tabelle zeigt das Kernproblem: Die belegte alte Bedeutung ist schmal — ein Rechtsbegriff und eine Zeile in einem Runengedicht. Die Bedeutungsschicht des 20. Jahrhunderts dagegen ist breit dokumentiert und bis heute wirksam.
Psychologische Bedeutung
Warum wirkt gerade dieses Zeichen so stark? Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit und nach einem Ort, an dem man verwurzelt ist, gehört zu den beständigsten menschlichen Motiven. Othala trifft es unmittelbar: Sie verspricht Herkunft ohne Leistung — man muss sich nicht bewähren, um dazuzugehören, man ist es qua Abstammung.
Genau diese Attraktivität erklärt auch die politische Karriere des Zeichens. Ideologien, die Zugehörigkeit über Blut definieren, greifen nach Symbolen, die Herkunft als etwas Unverfügbares darstellen. Der Schritt von „Heimat ist mir lieb“ zu „Heimat gehört nur uns“ ist im Bild angelegt, aber nicht darin enthalten — er wird von außen hinzugefügt.
Wer Othala aus familiären Gründen wählt — als Zeichen für Wurzeln, Vorfahren oder einen Ort — sollte deshalb wissen, dass die Umgebung diese private Deutung nicht mitliest. Ein Tattoo kommuniziert ohne Fußnote. Bei Othala ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die politische Lesart die persönliche überschreibt.
Wissenswertes
- Othala ist die letzte Rune des Älteren Futhark — und im jüngeren Futhark der Wikingerzeit gar nicht enthalten. Als „Wikingersymbol“ ist sie also falsch etikettiert.
- Ihr Name knüpft an das altnordische óðal an: Land, das einer Sippe unveräußerlich zustand — Besitz und Abstammung in einem Wort.
- Das angelsächsische Runengedicht nennt die Rune ēðel und sagt sinngemäß, das Heim sei jedem Menschen überaus lieb.
- Die 7. SS-Gebirgs-Division „Prinz Eugen“ führte die Rune mit angesetzten Füßchen; dieselbe Variante wurde später Emblem der 1994 verbotenen Wiking-Jugend.
- Weil die Wiking-Jugend verboten ist, fällt die Füßchen-Variante in Deutschland unter § 86a StGB — die schlichte Rautenform dagegen nicht pauschal.
- Die NS-Zeitschrift Odal trug den Runennamen im Titel und propagierte die „Blut und Boden“-Ideologie — ein Beleg dafür, wie eng das Zeichen mit ihr verbunden war.
Literatur
- Düwel, Klaus: Runenkunde. Metzler, Stuttgart.
- Simek, Rudolf: Lexikon der germanischen Mythologie. Kröner, Stuttgart.
- Angelsächsisches Runengedicht — Primärquelle, in wissenschaftlichen Editionen.
- Strafgesetzbuch, § 86a — Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.
- Bundesamt für Verfassungsschutz: Broschüre zu Symbolen und Kennzeichen des Rechtsextremismus.






