Tiwaz (ᛏ) — Bedeutung des Symbols und des Tattoos
Tiwaz (ᛏ) ist die Rune des Gottes Týr — ihr pfeilartiges Zeichen steht für Gerechtigkeit, Ehre, Recht und den Sieg des Kriegers, der sich für das Rechte opfert.

SYMBOLKARTE — TIWAZ (ᛏ)
Tiwaz (ᛏ) — Bedeutung des Symbols
Tiwaz ist die Rune des Himmels- und Kriegsgottes Týr. Ihre nach oben weisende Pfeilform symbolisiert Gerechtigkeit, Ehre, Mut und gerichteten Willen. Sie gilt als Rune des ehrenhaften Kampfes und der Selbstaufopferung für das Recht.
- BEDEUTUNG
- Tiwaz (ᛏ) ist die Rune des Gottes Týr
- HERKUNFT
- Germanisch, Nordisch
- ELEMENT
- Luft
- POPULARITÄT
- ★★★☆☆
Auf einen Blick
Tiwaz ist die Rune des Himmels- und Kriegsgottes Týr. Ihre nach oben weisende Pfeilform symbolisiert Gerechtigkeit, Ehre, Mut und gerichteten Willen. Sie gilt als Rune des ehrenhaften Kampfes und der Selbstaufopferung für das Recht.
Was bedeutet das Symbol?
Tiwaz trägt den Namen des Gottes Týr, der germanischen Gottheit des Rechts, des Eides und des Kampfes. Ihre Form — ein nach oben gerichteter Pfeil über einem senkrechten Stab — verbildlicht den geraden, unbeirrbaren Willen und das Streben nach dem Rechten. Im Älteren Futhark bezeichnet sie schlicht den Lautwert t; ihre Deutung als Sinnbild ist die Zugabe späterer Jahrhunderte.
Als Zeichen gelesen, steht Tiwaz für Ehre, Gerechtigkeit und Mut. Sie gilt als Rune dessen, der nicht aus Blutdurst kämpft, sondern aus Pflicht und Prinzip — und der bereit ist, dafür einen Preis zu zahlen. Die Deutung mahnt zu Aufrichtigkeit, Verlässlichkeit und zum Mut, auch unter Verlust am Rechten festzuhalten.
Wer Tiwaz heute wählt, sollte allerdings wissen, dass das Zeichen im 20. Jahrhundert eine zweite, politische Geschichte bekommen hat: Es wurde von nationalsozialistischen Organisationen als sogenannte Kampfrune übernommen und ist bis heute in Teilen der extremen Rechten verbreitet. Diese Rezeption steht neben der alten Bedeutung — sie hebt sie nicht auf, lässt sich aber auch nicht wegdenken.
Geschichte
Der Name der Rune führt auf das urgermanische Tīwaz zurück, einen alten Himmelsgott, dessen Name sprachlich mit dem griechischen Zeus und dem lateinischen deus verwandt ist. Im Norden erscheint er als Týr, im Süden als Ziu — ein Gott, der offenbar einmal sehr hoch stand und dessen Rang später von Odin überlagert wurde. Der Wochentag Dienstag (englisch Tuesday) trägt seinen Namen bis heute.
Die Runengedichte liefern die frühesten Deutungen. Das altisländische setzt an: Týr er einhendr áss — Týr ist der einhändige Gott, ein Verweis auf den Mythos, in dem der Gott seine rechte Hand in den Rachen des Fenriswolfs legt, damit die Götter das Untier fesseln können, und sie verliert, als der Betrug auffliegt. Das angelsächsische Runengedicht dagegen deutet Tir als Gestirn, das den Seefahrern verlässlich den Weg weist — Zuverlässigkeit statt Krieg.
Die Sigrdrífumál der Lieder-Edda raten, Siegrunen in den Schwertknauf zu ritzen und dabei Týr zu nennen. Ob damit die Tiwaz-Rune gemeint ist, sagt der Text nicht ausdrücklich; die Gleichsetzung ist eine naheliegende, aber moderne Schlussfolgerung.
Im 20. Jahrhundert wurde das Zeichen politisch besetzt. Die SA führte es als Abzeichen der Absolventen ihrer Reichsführerschulen, es fand in der Hitlerjugend und im Umfeld der SS Verwendung und diente in der NS-Symbolik als Zeichen von Kampf und Opferbereitschaft. Diese Linie riss 1945 nicht ab: Die Rune gehört bis heute zum Zeichenrepertoire von Teilen der rechtsextremen Szene.
Bedeutung in den Kulturen der Welt
Der Gott hinter der Rune und das Zeichen selbst haben in verschiedenen Überlieferungen sehr unterschiedliche Gestalt angenommen:
| Kontext | Bedeutung von Tiwaz / Týr |
|---|---|
| Urgermanisch | Tīwaz als alter Himmelsgott, sprachlich mit Zeus und deus verwandt |
| Altisländisch (Runengedicht) | Týr er einhendr áss — der einhändige Gott, Bezug auf das Opfer an Fenrir |
| Angelsächsisch (Runengedicht) | Tir als verlässliches Gestirn, Wegweiser der Seefahrer |
| Lieder-Edda (Sigrdrífumál) | Siegrunen im Schwertknauf, unter Nennung Týrs |
| NS-Zeit | „Kampfrune“ der SA-Reichsführerschulen, Verwendung in HJ- und SS-Kontexten |
| Gegenwart | Deutungszeichen moderner Runenpraxis — zugleich Erkennungszeichen in Teilen der extremen Rechten |
Bemerkenswert ist der Bruch zwischen den beiden Runengedichten: Im Norden ein Gott, der eine Hand verliert, in England ein Stern, der nie in die Irre führt. Die kriegerische Zuspitzung zur „Kampfrune“ dagegen stammt nicht aus den Quellen, sondern aus dem 20. Jahrhundert.
Spirituelle Bedeutung
In moderner heidnischer Praxis gilt Tiwaz als Rune des Eides. Týr ist in den Quellen der Gott, bei dem Verträge gelten und der für ihre Einhaltung mit dem eigenen Körper einsteht — der Mythos von der Hand im Wolfsrachen ist genau das: ein Pfand, das eingelöst wird, weil man gegeben hat, was man versprach.
Daraus folgt eine nüchterne spirituelle Deutung. Tiwaz verspricht keinen Schutz und keinen Erfolg; sie steht für die Bereitschaft, für ein gegebenes Wort einzustehen, auch wenn es kostet. Der Sieg, den die Sigrdrífumál der Anrufung Týrs zuordnen, ist an eine Bedingung geknüpft — er gehört dem, der im Recht steht, nicht dem Stärkeren.
Festzuhalten bleibt: Ein zusammenhängendes Runenritual ist für die Zeit des Älteren Futhark nicht überliefert. Was heute an Deutungssystemen kursiert, ist überwiegend im 19. und 20. Jahrhundert entstanden. Wer Tiwaz spirituell versteht, arbeitet mit einer modernen Auslegung eines alten Zeichens — das ist legitim, sollte aber nicht mit Rekonstruktion verwechselt werden.
Wissenswertes
- Der Name des Gottes steckt im Dienstag (englisch Tuesday, althochdeutsch Ziestag nach Ziu) — die einzige germanische Gottheit, deren Wochentag im Deutschen den Namen bewahrt hat.
- Das altisländische Runengedicht nennt Týr einhendr áss — den einhändigen Gott; das angelsächsische deutet dieselbe Rune als verlässliches Gestirn.
- Sprachlich ist Tīwaz mit Zeus, Iuppiter und deus verwandt — ein Hinweis darauf, dass er ursprünglich ein Hauptgott gewesen sein dürfte.
- Tiwaz ist die siebzehnte Rune des Älteren Futhark und steht dort für den Lautwert t.
- Die SA verlieh das Zeichen als Abzeichen an Absolventen ihrer Reichsführerschulen; die Bezeichnung „Kampfrune“ stammt aus dieser Zeit, nicht aus der Überlieferung.
- Anders als das Hakenkreuz fällt die schlichte Tiwaz-Rune in Deutschland nicht generell unter § 86a StGB — strafbar wird sie erst als Kennzeichen einer verbotenen Organisation. Verbreitet ist sie in der rechten Szene dennoch.
Literatur
- Düwel, Klaus: Runenkunde. Metzler, Stuttgart.
- Simek, Rudolf: Lexikon der germanischen Mythologie. Kröner, Stuttgart.
- Altisländisches und Angelsächsisches Runengedicht — Primärquellen, in wissenschaftlichen Editionen.
- Sigrdrífumál, in: Die Edda (Lieder-Edda), diverse Ausgaben.
- Bundesamt für Verfassungsschutz: Broschüre zu Symbolen und Kennzeichen des Rechtsextremismus.






