SYMBOLARIUM

Shalom (שלום) — Bedeutung des Symbols und des Tattoos

Shalom (שלום) ist das hebräische Wort für ‚Frieden', meint aber zugleich Ganzheit und Wohlergehen — Gruß, Abschied und Segenswunsch in einem Wort.

Shalom (שלום) — Bedeutung des Symbols

SYMBOLKARTE — SHALOM (שלום)

Shalom (שלום) — Bedeutung des Symbols

Shalom (שלום) bedeutet Frieden und zugleich Ganzheit, Unversehrtheit, Wohlergehen. Die Wurzel sch-l-m heißt ‚vollständig sein'. Das Wort beschließt den Priestersegen der Tora, grüßt am Schabbat und gilt in der rabbinischen Tradition sogar als einer der Namen Gottes. Geschrieben wird es in der hebräischen Quadratschrift.

BEDEUTUNG
Shalom (שלום) ist das hebräische Wort für ‚Frieden', meint aber zugleich Ganzheit und Wohlergehen
HERKUNFT
Hebräisch
ELEMENT
Wasser
POPULARITÄT
★★★★
SALAM (سلام)AHAVA (אהבה)CHAI (חי)

Auf einen Blick

Shalom (שלום) bedeutet Frieden und zugleich Ganzheit, Unversehrtheit, Wohlergehen. Die Wurzel sch-l-m heißt ‚vollständig sein'. Das Wort beschließt den Priestersegen der Tora, grüßt am Schabbat und gilt in der rabbinischen Tradition sogar als einer der Namen Gottes. Geschrieben wird es in der hebräischen Quadratschrift.

Was bedeutet das Symbol?

Das Wort Shalom (hebräisch שלום, schalom) wird mit Frieden übersetzt, doch die Wurzel sch-l-m bedeutet ‚ganz, vollständig, unversehrt sein'. Frieden ist hier also kein Zustand des Nicht-Kriegs, sondern ein Zustand der Vollständigkeit: Nichts fehlt, nichts ist zerrissen, nichts steht offen. Dieselbe Wurzel trägt im Hebräischen schalem (‚ganz'), lehaschlim (‚vervollständigen') und schillum (‚Bezahlung, Ausgleich') — auch eine beglichene Rechnung stellt Ganzheit wieder her.

Daraus folgt die Weite des Wortes. Wer einem anderen Shalom wünscht, wünscht ihm nicht bloß Ruhe, sondern Wohlergehen im umfassenden Sinn — mit Gott, mit den Mitmenschen und mit sich selbst. Die biblische Frage nach dem Befinden lautet wörtlich, ob jemandem schalom sei.

Als Gruß dient das Wort zugleich zur Begrüßung und zum Abschied. Diese Doppelrolle — banales Alltagswort und Segensformel in einem — macht es zu einem der bekanntesten hebräischen Wörter überhaupt. Verwandt ist es mit dem arabischen salam, dem hier ein eigener Artikel gewidmet ist; der hebräische Strang verläuft jedoch über eigene Texte und eine eigene Schrifttradition.

Geschichte

In der Hebräischen Bibel erscheint schalom hunderte Male und trägt dabei stets mehr als Waffenruhe: Es meint Heil, Gedeihen, Unversehrtheit. Seinen feierlichsten Ort hat das Wort im Priestersegen (Numeri 6,24–26), jenem dreigliedrigen Segen, der mit der Bitte schließt, Gott möge dem Gesegneten Frieden geben — schalom ist damit das letzte Wort des Segens und sein Zielpunkt. Der Prophet Jesaja nennt den erwarteten Herrscher Sar Schalom, ‚Fürst des Friedens'.

Aus derselben Wurzel stammen zahlreiche Namen: Schlomo (Salomo), Awschalom (Absalom), Schulamit. Der Name Jeruschalajim (Jerusalem) wird traditionell als ‚Stadt des Friedens' gedeutet.

Im nachbiblischen Judentum verfestigte sich das Wort zur Grußformel. Schalom aleichem (‚Friede sei mit euch') begrüßt den Gast und die Engel des Schabbat; Schabbat Schalom ist der übliche Wunsch zum Ruhetag. Die rabbinische Überlieferung geht noch weiter und zählt Schalom zu den Namen Gottes — mit der praktischen Folge, dass man das Wort in manchen Zusammenhängen besonders ehrfürchtig behandelt.

Geschrieben wird es in der Quadratschrift (Ketav Aschuri), jener eckigen Buchstabenform, in der auch die Tora-Rollen gesetzt werden. Deren Regeln pflegt bis heute die STA''M-Tradition der Schreiber (Sofer STaM) für Tora-Rollen, Tefillin und Mesusot — jeder Buchstabe folgt festgelegten Proportionen. Wer den Schriftzug tätowieren lässt, greift auf diese Formensprache zurück.

Bedeutung in den Kulturen der Welt

Die Wurzel sch-l-m reicht durch die gesamte semitische Sprachfamilie — und das hebräische Wort selbst hat über das Jiddische eigene Wege genommen:

Sprache / KulturFormBesonderheit
Hebräischschalom (שלום)Gruß, Abschied, Segenswort; in der rabbinischen Tradition ein Gottesname
Jiddischscholemim Gruß ‚Scholem alejchem'; zugleich das Pseudonym des Erzählers Scholem Alejchem
AramäischschlamaVerkehrssprache des spätantiken Vorderen Orients
Arabischsalam (سلام)dieselbe Wurzel in arabischer Gestalt; eigener Artikel
Amharischselamäthiosemitische Sprache; Gruß im heutigen Äthiopien
Maltesischsliemeinzige semitische Sprache mit lateinischer Schrift und EU-Amtssprache

Besonders hübsch ist der jiddische Fall: Scholem Alejchem — ‚Friede sei mit euch' — war das Pseudonym von Scholem Rabinowitsch, des bekanntesten jiddischen Erzählers. Er machte aus einer Grußformel einen Autorennamen; wer ihn nannte, grüßte.

Spirituelle Bedeutung

Die religiöse Tiefe des Wortes liegt in seiner Stellung als Ziel. Der Priestersegen zählt auf, was Gott dem Menschen zuwenden möge — Segen, Bewahrung, ein leuchtendes Angesicht, Gnade — und endet mit schalom. Frieden ist damit nicht eine Gabe neben anderen, sondern das, worin alle anderen zusammenlaufen: der Zustand, in dem nichts mehr fehlt.

Die rabbinische Überlieferung zählt Schalom zu den Namen Gottes. Wenn Ganzheit ein Gottesname ist, dann ist der menschliche Friede kein Kompromiss zwischen Streitenden, sondern ein Abglanz. Schon in der Bibel nennt Gideon einen Altar Adonaj Schalom.

Im gelebten Judentum hat der Begriff einen sehr konkreten Ort: Schelom bajit, der ‚Friede des Hauses', bezeichnet die Eintracht in der Familie und gilt als hoher Wert, dem im Zweifel manches nachgeordnet wird. Und mit Schabbat Schalom grüßt man einander wöchentlich zum Ruhetag — jener Tag, an dem das Werk ruht und die Woche vollständig wird. Der Frieden ist hier keine ferne Hoffnung, sondern ein Termin.

Wissenswertes

  • Shalom grüßt und verabschiedet zugleich — dasselbe Wort für Ankunft und Weggang. Die Grußformel Schalom aleichem wird zudem am Freitagabend als Lied gesungen.
  • Die rabbinische Überlieferung zählt Schalom zu den Namen Gottes; in der Bibel nennt Gideon einen Altar Adonaj Schalom.
  • Aus der Wurzel stammen die Namen Schlomo (Salomo), Awschalom und Schulamit; Jeruschalajim wird traditionell als ‚Stadt des Friedens' gedeutet.
  • Dieselbe Wurzel trägt auch schillum, ‚Bezahlung' — wer eine Schuld begleicht, stellt Ganzheit wieder her. Frieden und Ausgleich sind im Hebräischen sprachlich dasselbe.
  • Scholem Alejchem, der bekannteste jiddische Erzähler, wählte die Grußformel als Pseudonym: Wer seinen Namen nannte, grüßte.
  • Hebräisch wird von rechts nach links geschrieben. Anders als im Arabischen stehen die Buchstaben der Quadratschrift zwar getrennt, doch Vorlagen werden häufig gespiegelt oder verwechseln ähnliche Zeichen. Lass den Schriftzug vor dem Stechen von einer kundigen Person prüfen.

Literatur

  • Die Hebräische Bibel (Tanach), wissenschaftliche Übersetzungen und Editionen.
  • Gesenius, Wilhelm: Hebräisches und Aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament. Springer.
  • de Vries, Simon Philip: Jüdische Riten und Symbole. Rowohlt.
  • Scholem, Gershom: Die jüdische Mystik in ihren Hauptströmungen. Suhrkamp.

Häufige Fragen

Was bedeutet das Wort Shalom?
Shalom (שלום) bedeutet Frieden, aber die Wurzel sch-l-m heißt ‚ganz, vollständig sein'. Gemeint ist kein Nicht-Krieg, sondern ein Zustand der Unversehrtheit, in dem nichts fehlt und nichts zerrissen ist — mit Gott, den Menschen und sich selbst.
Ist Shalom nur ein Gruß?
Nein. Es dient als Begrüßung und als Abschied, ist zugleich aber ein Segenswort: Der Priestersegen der Tora (Numeri 6,24–26) endet mit der Bitte um Schalom. Die rabbinische Überlieferung zählt das Wort sogar zu den Namen Gottes.
Wie hängt Shalom mit dem arabischen Salam zusammen?
Beide stammen aus derselben semitischen Wurzel (sch-l-m beziehungsweise s-l-m) und bedeuten Frieden und Ganzheit. Verwandt sind ebenso das aramäische schlama, das amharische selam und das maltesische sliem — die kulturellen Wege der Wörter verlaufen jedoch getrennt.
Was bedeutet Schabbat Schalom?
Es ist der übliche Gruß zum jüdischen Ruhetag und wünscht den Frieden des Schabbat — jenes Tages, an dem das Werk ruht und die Woche vollständig wird. Verwandt ist Schelom bajit, der ‚Friede des Hauses', also die Eintracht in der Familie.
Wie steht das Judentum zu Tätowierungen?
Das traditionelle Judentum steht ihnen zurückhaltend gegenüber und beruft sich dabei auf Levitikus 19,28. Viele säkulare und liberale Jüdinnen und Juden sehen das anders. Hinzu kommt für manche die schmerzhafte Erinnerung an die eintätowierten Häftlingsnummern der Schoa. Wer ein hebräisches Wort wählt, sollte diese Spannung kennen und respektieren.
In welcher Schrift wird Shalom geschrieben?
In der hebräischen Quadratschrift (Ketav Aschuri), jener eckigen Buchstabenform, in der auch die Tora-Rollen gesetzt werden. Ihre Proportionen pflegt die STA''M-Tradition der Schreiber für Tora-Rollen, Tefillin und Mesusot.

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