SYMBOLARIUM

Metatrons Würfel — Bedeutung des Symbols und des Tattoos

Metatrons Würfel ist eine Figur aus dreizehn Kreisen mit sämtlichen Verbindungslinien. Sie trägt den Namen eines jüdischen Engels, ist selbst aber eine moderne Konstruktion des 20. Jahrhunderts.

Metatrons Würfel — Bedeutung des Symbols

SYMBOLKARTE — METATRONS WÜRFEL

Metatrons Würfel — Bedeutung des Symbols

Dreizehn Kreise, jeder mit jedem verbunden — daraus entsteht Metatrons Würfel. Der Engel Metatron gehört in die jüdische Merkava-Mystik, ein „Würfel“ kommt dort jedoch nirgends vor. Figur, Name und Deutung stammen aus der esoterischen Literatur der Moderne; das ist keine Abwertung, sondern schlicht die Datierung.

BEDEUTUNG
Metatrons Würfel ist eine Figur aus dreizehn Kreisen mit sämtlichen Verbindungslinien
HERKUNFT
Universell
ELEMENT
Erde
POPULARITÄT
★★★☆☆
BLUME DES LEBENSVESICA PISCISMANDALA

Auf einen Blick

Dreizehn Kreise, jeder mit jedem verbunden — daraus entsteht Metatrons Würfel. Der Engel Metatron gehört in die jüdische Merkava-Mystik, ein „Würfel“ kommt dort jedoch nirgends vor. Figur, Name und Deutung stammen aus der esoterischen Literatur der Moderne; das ist keine Abwertung, sondern schlicht die Datierung.

Was bedeutet das Symbol?

Metatrons Würfel entsteht aus dreizehn gleich großen Kreisen: einem Zentrum, sechs Kreisen im Ring darum und sechs weiteren außen. Diese Anordnung heißt in der esoterischen Literatur Frucht des Lebens und wird ihrerseits aus dem Kreisraster der Blume des Lebens herausgelöst. Verbindet man dann jeden Mittelpunkt mit jedem anderen — 78 Strecken sind das —, ergibt sich das dichte Liniengeflecht, das man als Tattoo kennt.

Gedeutet wird die Figur als Bauplan hinter dem Sichtbaren: als Ordnung, aus der Materie hervorgehe. Der Name verspricht dabei mehr Alter, als die Sache hergibt. Metatron ist ein Engel der jüdischen Mystik, doch die Figur, die seinen Namen trägt, ist eine Konstruktion der Moderne — beides gehört sauber getrennt.

Damit verliert das Zeichen nichts. Wer es trägt, trägt ein Bild für Struktur, Zusammenhang und die Idee, dass Ordnung aus Beziehungen entsteht: Kein Punkt bedeutet hier etwas für sich, erst die Linien zwischen ihnen erzeugen die Form. Tätowiert verlangt die Figur sehr saubere Arbeit — dreizehn exakte Kreise und viele lange Geraden verzeihen keine Unschärfe.

Geschichte

Die Geschichte des Namens und die Geschichte der Figur verlaufen getrennt und treffen sich erst spät.

Metatron stammt aus der jüdischen Merkava- und Hekhalot-Literatur der Spätantike, ausführlich im 3. Henochbuch, wo der zum Engel erhobene Henoch als himmlischer Schreiber vor dem Thron erscheint. Gershom Scholem hat diese Traditionsschicht erschlossen. Für unsere Frage entscheidend: In diesen Texten geht es um Thronvision, Schreiberamt und Engelhierarchie — ein geometrischer Körper oder gar „Würfel“ kommt nirgends vor. Der Name ist der Figur später angeheftet worden.

Die platonischen Körper wiederum haben ihre eigene, gut belegte Linie: Platons Timaios ordnet ihnen die Elemente zu, Euklid behandelt sie im Schlussbuch der Elemente. Auch hier fehlt jede Verbindung zu einem Kreisdiagramm.

Zusammengeführt wurde beides erst im 20. Jahrhundert, im Umfeld der Rezeption der heiligen Geometrie, und breit popularisiert seit den 1990er Jahren durch Drunvalo Melchizedek. Von dort gelangte die Figur in Esoterikliteratur, Grafikdesign und schließlich in die Tattoo-Kunst, wo sie seit den 2010er Jahren zum festen Bestand geometrischer Motive gehört. Metatrons Würfel ist also ein junges Symbol mit alten Zutaten — ein Zusammenbau, kein Erbstück.

Bedeutung in den Kulturen der Welt

Weil die Figur modern ist, gibt es keine kulturelle Überlieferung zu ihr — wohl aber zu ihren Bestandteilen:

BestandteilHerkunft und Befund
Engel MetatronJüdische Merkava-/Hekhalot-Mystik, 3. Henochbuch; Schreiber vor dem Thron — ohne Geometrie
Platonische KörperPlatons Timaios, Euklids Elemente; Elementzuordnung — ohne Kreisdiagramm
Kreisraster (13 Kreise)Zirkelkonstruktion, in Ornamentik vieler Regionen bekannt — ohne diesen Namen
Name „Metatrons Würfel“Esoterik des 20. Jahrhunderts; breite Verbreitung seit den 1990er Jahren
Heutige DeutungNew-Age-Rezeption: Bauplan der Schöpfung, Schutz- und Ordnungszeichen

Die Tabelle zeigt das Muster: Jede Zutat ist echt und alt, die Verbindung ist es nicht. Wer die Figur trägt, trägt kein antikes Wissen, sondern eine moderne Synthese — und darf das ruhig genau so sagen.

Esoterische Bedeutung

In der esoterischen Deutung gilt Metatrons Würfel als Behälter aller fünf platonischen Körper: Tetraeder, Würfel, Oktaeder, Dodekaeder und Ikosaeder sollen sich in seinen Linien nachzeichnen lassen. Diese Aussage wird häufig überdehnt und verdient eine Präzisierung.

Richtig ist: Man kann in dem Liniengeflecht zweidimensionale Projektionen der Körper erkennen — Umrisse, wie ein Drahtmodell sie auf Papier wirft. Die Figur enthält die Körper also nicht, man liest sie in sie hinein, indem man aus 78 Strecken jeweils passende auswählt und die übrigen ignoriert. Bei Tetraeder, Würfel und Oktaeder gelingt das überzeugend; bei Dodekaeder und Ikosaeder ist die Herleitung deutlich gezwungener, weil die Fünfeckgeometrie im Sechseckraster nicht sauber aufgeht. Die Behauptung, alle fünf Körper seien gleichermaßen „in der Figur“, ist eine Vereinfachung.

Der Figur werden in dieser Literatur außerdem schützende und harmonisierende Wirkungen zugeschrieben. Das sind Deutungen einer weltanschaulichen Tradition; sie werden hier beschrieben, nicht bestätigt, und ein Nachweis solcher Wirkungen liegt nicht vor.

Der nüchterne Reiz bleibt bestehen: Ein Punktraster, vollständig durchverbunden, erzeugt von selbst erstaunlich viele erkennbare Ordnungen. Dass unser Auge darin Körper sieht, sagt viel über das Sehen — und ist interessant genug, ohne zum Geheimwissen erklärt zu werden.

Wissenswertes

  • Der Erzengel Metatron ist gut belegt — im 3. Henochbuch und der Hekhalot-Literatur. Ein „Würfel“ kommt dort an keiner Stelle vor; der Name wurde der Figur erst im 20. Jahrhundert gegeben.
  • Die dreizehn Kreise heißen in der Esoterik Frucht des Lebens; verbindet man alle Mittelpunkte miteinander, entstehen genau 78 Linien.
  • Die fünf platonischen Körper stecken in der Figur nur als 2D-Projektion — und Dodekaeder und Ikosaeder lassen sich merklich schlechter herleiten als die übrigen drei.
  • Platon ordnete die Körper im Timaios den Elementen zu; Euklid widmete ihnen das letzte Buch der Elemente. Mit Kreisrastern hat beides nichts zu tun.
  • In der jüdischen Mystik ist Metatron vor allem Schreiber, nicht Geometer — der zum Engel erhobene Henoch, der die Verdienste der Welt aufzeichnet.
  • Als Tattoo ist die Figur technisch anspruchsvoll: Dreizehn exakte Kreise und lange Geraden zeigen jede Abweichung sofort — und zwar dauerhaft.

Literatur

  • Scholem, Gershom: Die jüdische Mystik in ihren Hauptströmungen. Suhrkamp, Frankfurt am Main.
  • Das 3. Henochbuch, in wissenschaftlichen Editionen und Übersetzungen.
  • Platon: Timaios, diverse deutsche Ausgaben.
  • Euklid: Die Elemente, diverse deutsche Ausgaben.
  • Melchizedek, Drunvalo: Die Blume des Lebens (The Ancient Secret of the Flower of Life).

Häufige Fragen

Was bedeutet Metatrons Würfel?
Er gilt in der modernen heiligen Geometrie als Bauplan der Schöpfung und als Zeichen für Ordnung und Zusammenhang. Wichtig ist die Einordnung: Diese Deutung stammt aus der esoterischen Literatur des 20. Jahrhunderts, nicht aus einer alten Überlieferung.
Wie ist die Figur aufgebaut?
Aus dreizehn gleich großen Kreisen — einem Zentrum, sechs im Ring darum und sechs außen. Verbindet man jeden Mittelpunkt mit jedem anderen, entstehen 78 Linien, die das bekannte Geflecht ergeben.
Hat der Engel Metatron wirklich mit dem Würfel zu tun?
Nein. Metatron ist in der jüdischen Merkava-Mystik und im 3. Henochbuch gut belegt, dort als himmlischer Schreiber. Ein Würfel oder eine geometrische Figur kommt in diesen Texten nirgends vor — der Name wurde erst im 20. Jahrhundert angeheftet.
Enthält Metatrons Würfel wirklich alle fünf platonischen Körper?
Nur eingeschränkt. Man kann in den Linien zweidimensionale Projektionen der Körper nachzeichnen, indem man passende Strecken auswählt und andere ignoriert. Bei Tetraeder, Würfel und Oktaeder überzeugt das; bei Dodekaeder und Ikosaeder ist die Herleitung deutlich gezwungener.
Wie alt ist Metatrons Würfel?
Die Figur selbst ist jung — eine Konstruktion des 20. Jahrhunderts, breit verbreitet seit den 1990er Jahren. Alt sind nur ihre Zutaten: der Engel Metatron aus der Spätantike und die platonischen Körper aus der griechischen Mathematik.
Worauf sollte man beim Tätowieren achten?
Auf Präzision und Größe. Dreizehn exakte Kreise und viele lange Geraden verzeihen keine Unschärfe, und zu klein gestochen laufen die dicht liegenden Linien mit den Jahren ineinander. Ein Tätowierer mit sicherer Hand für Geometrie ist hier entscheidend.

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