SYMBOLARIUM

Ouroboros — Bedeutung des Symbols und des Tattoos

Der Ouroboros ist eine Schlange oder ein Drache, die sich in den eigenen Schwanz beißt, und symbolisiert den ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen.

Ouroboros — Bedeutung des Symbols

SYMBOLKARTE — OUROBOROS

Ouroboros — Bedeutung des Symbols

Die sich selbst verschlingende Schlange bildet einen geschlossenen Kreis ohne Anfang und Ende. Als uraltes Symbol steht der Ouroboros für Ewigkeit, Erneuerung und die Einheit allen Seins — vom ägyptischen Königsgrab über die Alchemie bis in die moderne Tätowierkunst.

BEDEUTUNG
Den ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen
HERKUNFT
Griechisch, Ägyptisch
ELEMENT
Wasser
POPULARITÄT
★★★★
SCHLANGEUNENDLICHKEITSZEICHENDRACHE

Auf einen Blick

Die sich selbst verschlingende Schlange bildet einen geschlossenen Kreis ohne Anfang und Ende. Als uraltes Symbol steht der Ouroboros für Ewigkeit, Erneuerung und die Einheit allen Seins — vom ägyptischen Königsgrab über die Alchemie bis in die moderne Tätowierkunst.

Was bedeutet das Symbol?

Der Ouroboros zeigt eine Schlange oder einen Drachen, die sich in den eigenen Schwanz beißt und dadurch einen vollkommenen Kreis bildet. Weil dieser Kreis weder Anfang noch Ende besitzt, wurde er zum Sinnbild der Ewigkeit und des immer wiederkehrenden Kreislaufs von Leben, Tod und Wiedergeburt.

Die zweite Bedeutungsschicht liegt im Akt selbst: Die Schlange verzehrt sich und erhält sich zugleich. Sie ist Nahrung und Essender in einem, Zerstörerin und Schöpferin. Daraus leitet sich die Deutung als Selbsterneuerung ab — nichts geht verloren, alles wandelt sich. In der Alchemie verdichtet sich dies zur Formel, dass alles aus dem Einen hervorgeht und wieder in das Eine zurückkehrt.

Eine dritte Ebene ist die Einheit der Gegensätze: Kopf und Schwanz, Ende und Anfang, Tod und Geburt fallen im Ouroboros zusammen. Als Tattoo wird er deshalb selten als bloßes Zierelement getragen, sondern meist als bewusste Aussage über Wandel, Endlichkeit und Neubeginn — ein Zeichen dafür, dass jeder Abschluss bereits den nächsten Anfang enthält.

Geschichte

Die früheste eindeutig belegte Darstellung stammt aus dem Alten Ägypten: Auf einem der vergoldeten Schreine im Grab des Pharaos Tutanchamun (14. Jh. v. Chr.) umschließt eine sich windende Schlange die Figur des Königs und markiert damit die Grenze des geordneten Kosmos gegenüber dem Chaos. Die ägyptische Vorstellung von der Schlange als Umfassung der Welt gehört zum Bildrepertoire der Jenseitsbücher des Neuen Reiches.

In die griechisch-hellenistische Welt gelangte das Motiv über das spätantike Ägypten, insbesondere über Alexandria. Dort erhielt es auch seinen Namen: oura („Schwanz“) und bora („Fraß“) ergeben den Schwanzfresser. In der berühmten alchemistischen Handschrift, die als Chrysopöia der Kleopatra überliefert ist, umschließt der Ouroboros die Devise, dass das All eines sei.

Über Gnosis und Alchemie wanderte das Zeichen ins mittelalterliche und frühneuzeitliche Europa, wo es die zyklische Wandlung der Materie im Labor darstellte. Bekannt ist zudem die Anekdote, der Chemiker August Kekulé habe die Ringstruktur des Benzols nach einem Traum von einer sich in den Schwanz beißenden Schlange erkannt — eine erst Jahrzehnte später von ihm selbst erzählte, wissenschaftshistorisch nicht überprüfbare Überlieferung.

Bedeutung in den Kulturen der Welt

Der geschlossene Schlangenkreis taucht in sehr verschiedenen Traditionen auf — mit jeweils eigener Stoßrichtung:

KulturDeutung des Ouroboros
ÄgyptischUmfassung des Kosmos, Grenze zwischen Ordnung und Chaos; Schutz des Königs im Jenseits
Griechisch-hellenistischNamensgebung Ouroboros; Sinnbild der All-Einheit in der frühen Alchemie
GnostischGrenze der materiellen Welt, die den Geist umschließt
Europäische AlchemieKreislauf der Materie, Auflösung und Wiederverbindung im opus
Nordisch (verwandt)Die Midgardschlange Jörmungandr umspannt die Welt und hält sich den eigenen Schwanz im Maul

Die nordische Parallele ist bemerkenswert: Jörmungandr ist zwar kein Ouroboros im engeren Sinn, teilt aber die Bildidee der weltumspannenden Schlange. Wer den Ouroboros tätowiert, sollte wissen, welcher dieser Stränge gemeint ist — der ägyptische Schutzgedanke, die alchemistische Wandlung oder das nordische Weltbild tragen deutlich verschiedene Botschaften.

Psychologische Bedeutung

C. G. Jung hat den Ouroboros ausführlich in seinen Arbeiten zur Alchemie behandelt. Für ihn ist die sich selbst verschlingende Schlange ein Bild des Selbst — jener Ganzheit der Psyche, die Bewusstes und Unbewusstes umfasst. Der Kreis ohne Anfang steht dabei für einen Urzustand, in dem noch nichts geschieden ist.

Zugleich lässt sich der Ouroboros als Bild des Selbstbezugs lesen: Ein Prozess, der sich fortwährend selbst nährt. Das kann Erneuerung bedeuten — oder Stagnation, wenn jemand im immer gleichen Muster kreist. Diese Doppeldeutigkeit macht das Symbol psychologisch interessant: Es beschreibt sowohl heilsame Wandlung als auch den Kreislauf, aus dem man nicht herausfindet.

Als Tattoo wird der Ouroboros daher oft von Menschen gewählt, die eine Wende markieren: das bewusste Ende eines Zyklus, aus dem ein neuer Anfang hervorgehen soll. Er ist weniger ein Zeichen des Stillstands als eines der Verwandlung.

Wissenswertes

  • Der Name setzt sich aus griechisch oura (Schwanz) und bora (Fraß) zusammen — wörtlich also „Schwanzfresser“.
  • Auf einem vergoldeten Schrein aus dem Grab Tutanchamuns ist eine den König umschließende Schlange dargestellt; sie gilt als eine der frühesten bekannten Ausformungen des Motivs.
  • Die alchemistische Handschrift Chrysopöia der Kleopatra zeigt den Ouroboros halb hell, halb dunkel — ein Hinweis auf die Einheit der Gegensätze.
  • Der Ouroboros wird häufig mit dem Unendlichkeitszeichen (Lemniskate) verwechselt; beide meinen Endlosigkeit, stammen aber aus völlig verschiedenen Traditionen — die Lemniskate ist ein mathematisches Zeichen der Neuzeit.
  • Kekulés Benzolring-Traum ist eine berühmte Anekdote, die er erst 1890 rückblickend öffentlich erzählte — sie ist Überlieferung, kein dokumentierter Vorgang.
  • In der nordischen Mythologie hält die Midgardschlange Jörmungandr sich selbst den Schwanz im Maul; ihr Loslassen leitet Ragnarök ein.

Literatur

  • Hornung, Erik: Das Tal der Könige. Artemis & Winkler.
  • Jung, C. G.: Psychologie und Alchemie. Walter Verlag.
  • Biedermann, Hans: Knaurs Lexikon der Symbole. Knaur.
  • Cooper, J. C.: Illustriertes Lexikon der traditionellen Symbole. Drei Lilien Verlag.

Häufige Fragen

Was bedeutet der Ouroboros?
Die sich selbst verschlingende Schlange steht für Ewigkeit, den Kreislauf von Werden und Vergehen sowie für ständige Selbsterneuerung. Weil der Kreis weder Anfang noch Ende hat, gilt er zugleich als Zeichen der Einheit allen Seins.
Woher stammt der Ouroboros?
Die früheste bekannte Darstellung stammt aus dem Alten Ägypten — eine den Pharao umschließende Schlange auf einem Schrein im Grab Tutanchamuns. Seinen Namen erhielt das Symbol später im griechisch geprägten Ägypten.
Was bedeutet der Ouroboros in der Alchemie?
Er verkörpert den Kreislauf der Materie: Auflösung und Wiederverbindung im selben Prozess. Die Handschrift der Chrysopöia der Kleopatra zeigt ihn halb hell und halb dunkel als Sinnbild der Einheit der Gegensätze.
Hat Kekulé den Benzolring wirklich durch einen Ouroboros-Traum entdeckt?
Das ist eine berühmte Anekdote, die Kekulé selbst erst Jahrzehnte später rückblickend erzählte. Sie gehört zur Überlieferung der Wissenschaftsgeschichte, ist aber nicht als Vorgang dokumentiert.
Was bedeutet der Ouroboros als Tattoo?
Meist steht er für Unendlichkeit, Wandel und Selbsterneuerung. Viele tragen ihn als Erinnerung daran, dass jedes Ende bereits einen neuen Anfang enthält — häufig zur Markierung eines bewussten Lebensabschnitts.
Ist der Ouroboros dasselbe wie das Unendlichkeitszeichen?
Nein. Beide meinen Endlosigkeit, stammen aber aus verschiedenen Welten: Der Ouroboros ist ein antik-alchemistisches Bildsymbol, die Lemniskate ein mathematisches Zeichen der Neuzeit.

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