SYMBOLARIUM

Sakina (سكينة) — Bedeutung des Symbols und des Tattoos

Sakina (سكينة) ist das arabische Wort für ‚Gelassenheit' und ‚innere Ruhe' — eine tiefe, herabgesenkte Stille des Herzens, die weniger Abwesenheit von Lärm als vielmehr innerer Frieden meint.

Sakina (سكينة) — Bedeutung des Symbols

SYMBOLKARTE — SAKINA (سكينة)

Sakina (سكينة) — Bedeutung des Symbols

Sakina (سكينة) bezeichnet die Ruhe, die einzieht. Die Wurzel s-k-n bedeutet ‚wohnen, zur Ruhe kommen' — dazu gehören maskan (Wohnung) und sukūn (Stille). Im Koran wird die sakīna von Gott in die Herzen herabgesandt; in Sure 2, Vers 248 liegt sie in der Bundeslade. Sprachlich entspricht ihr die hebräische Schechina, die ‚Einwohnung' Gottes — beide Wörter denken Frieden als Wohnen.

BEDEUTUNG
Sakina (سكينة) ist das arabische Wort für ‚Gelassenheit' und ‚innere Ruhe'
HERKUNFT
Arabisch
ELEMENT
Wasser
POPULARITÄT
★★★☆☆
SALAM (سلام)QALB (قلب)IMAN (إيمان)

Auf einen Blick

Sakina (سكينة) bezeichnet die Ruhe, die einzieht. Die Wurzel s-k-n bedeutet ‚wohnen, zur Ruhe kommen' — dazu gehören maskan (Wohnung) und sukūn (Stille). Im Koran wird die sakīna von Gott in die Herzen herabgesandt; in Sure 2, Vers 248 liegt sie in der Bundeslade. Sprachlich entspricht ihr die hebräische Schechina, die ‚Einwohnung' Gottes — beide Wörter denken Frieden als Wohnen.

Was bedeutet das Symbol?

Das Wort Sakina (arabisch سكينة, sakīna) wird mit innerer Ruhe oder Gelassenheit übersetzt. Die Wurzel sagt genauer, welche Art von Ruhe gemeint ist: s-k-n bedeutet wohnen und zur Ruhe kommen — beides in einem. Aus ihr stammen sakana (‚er wohnte', ‚er kam zur Ruhe'), maskan (die Wohnung), sākin (der Bewohner, zugleich ‚still'), sukūn (die Stille) und maskūn (‚bewohnt').

Damit ist Sakina keine Leere. Sie ist eine Ruhe, die einzieht — die sich in einem Menschen niederlässt wie jemand, der eine Wohnung bezieht, und die dann bleibt. Das ist etwas anderes als Schweigen, anderes als Entspannung, anderes als Abwesenheit von Störung. Ein leeres Haus ist still; ein bewohntes ist ruhig. Das Arabische unterscheidet mit derselben Wurzel beides und meint hier das Zweite.

Deshalb trägt das Wort auch keine Aufforderung. Wer سكينة wählt, sagt nicht ‚bleib gelassen'. Er benennt einen Zustand, den man nicht herstellen, sondern nur empfangen und bewohnen kann — und einen Ort in sich, an dem etwas Platz genommen hat.

Geschichte

Im Koran ist die sakīna auffällig konsequent kein Ergebnis, sondern eine Gabe: Sie wird ‚herabgesandt'. In Sure 48, Vers 4, heißt es, dass Gott die Ruhe in die Herzen der Gläubigen herabsandte, damit ihr Glaube wachse. In Sure 9, Vers 40, kommt sie in der Höhle über den Propheten und seinen Gefährten, während die Verfolger draußen stehen — Ruhe genau dort, wo sie am unwahrscheinlichsten ist.

Die aufschlussreichste Stelle ist aber Sure 2, Vers 248. Dort ist von der Lade (tābūt) die Rede, in der eine sakīna vom Herrn sei und ein Rest dessen, was das Haus Mose und Aaron hinterließ. Das ist die Bundeslade der hebräischen Bibel — und damit steht das Wort mitten in einer gemeinsamen Überlieferung.

Genau hier liegt seine sprachliche Tiefe. Dem arabischen s-k-n entspricht das hebräische sch-k-n, ebenfalls ‚wohnen'. Aus ihm stammen der Mischkan, die Stiftshütte — Gottes ‚Wohnung' in der Wüste —, und die Schechina, in der rabbinischen Sprache die Einwohnung Gottes bei seinem Volk. Die Forschung nimmt verbreitet an, dass die koranische sakīna aus diesem jüdisch-aramäischen Sprachgebrauch stammt. Zwei Traditionen sagen also mit derselben Wurzel dasselbe: Gegenwart heißt, dass jemand einzieht.

Kalligrafisch trägt das etwas längere Wort das geschwungene Diwani besonders schön, dessen ineinandergelegte Linien das Wort zu einer geschlossenen Fläche zusammenziehen.

Bedeutung in den Kulturen der Welt

Die Wurzel s-k-n / sch-k-n verbindet zwei religiöse Sprachen über einen einzigen Gedanken: Wohnen.

Sprache / KontextWortBedeutung
Arabischsakīna (سكينة)von Gott herabgesandte Herzensruhe
Arabisch (Wortfamilie)maskan, sākin, sukūnWohnung, Bewohner (und ‚still'), Stille
HebräischSchechina (שכינה)die ‚Einwohnung' Gottes bei seinem Volk — Wurzel sch-k-n
Hebräisch (Wortfamilie)Mischkan (משכן)die Stiftshütte: Gottes ‚Wohnung' in der Wüste
Griechisch (NT)eskēnōsen (Joh 1,14)‚er nahm Wohnung, er zeltete unter uns' — klanglich nah, etymologisch unabhängig

Der Wechsel von arabisch s zu hebräisch sch ist eine regelmäßige Entsprechung zwischen beiden Sprachen; sakīna und Schechina sind dasselbe Wort in zwei Zungen. Bemerkenswert ist der Fall in der letzten Zeile: Das griechische skēnē (‚Zelt') hat mit der semitischen Wurzel nichts zu tun — dass der Johannesprolog ausgerechnet damit die Einwohnung beschreibt, ist ein Zufall, über den die Auslegung seit Jahrhunderten staunt.

Psychologische Bedeutung

Das Merkwürdigste an diesem Wort ist psychologisch das Genaueste: Die sakīna wird herabgesandt. Sie ist nichts, was man leistet. Und wer je versucht hat, sich zur Ruhe zu zwingen, kennt den Grund — Anstrengung und Entspannung schließen sich aus. Je entschlossener man Gelassenheit herstellen will, desto sicherer produziert man Anspannung. Ruhe lässt sich nur vorbereiten, nicht erzeugen.

Daraus folgt die Verschiebung, die das Wort anbietet. Nicht ‚werde ruhig' ist die Aufgabe, sondern: einen Zustand bewohnbar machen. Man kann aufräumen, Reize senken, aufhören zu kämpfen — einziehen muss die Ruhe selbst. Das ist keine Passivität, sondern eine andere Arbeitsteilung.

Zugleich braucht das Wort eine Abgrenzung. Sakina ist nicht Abstumpfung und nicht Resignation. Wer nichts mehr fühlt, ist nicht ruhig, sondern taub; die koranischen Stellen beschreiben die Ruhe ausdrücklich in der Bedrängnis, nicht statt ihrer. Als Zeichen auf der Haut wirkt سكينة deshalb weniger als Vorsatz denn als Erinnerung an einen Ort — daran, dass es in einem selbst einen Raum gibt, in dem schon einmal jemand gewohnt hat.

Wissenswertes

  • Sukūn heißt nicht nur ‚Stille', sondern ist auch der Name eines Schriftzeichens: des kleinen Kreises über einem arabischen Konsonanten, der anzeigt, dass ihm kein Vokal folgt. Die Ruhe hat im Arabischen ein eigenes Zeichen.
  • Zur selben Wurzel wird traditionell auch miskīn gestellt, ‚der Arme'. Über das Italienische (meschino) gelangte es ins Französische als mesquin — ein arabisches Wort für Bedürftigkeit, das im Europäischen zu ‚kleinlich' wurde.
  • In Sure 2, Vers 248 liegt die sakīna in der Lade — der Bundeslade der hebräischen Bibel. Das Wort steht damit mitten in einer gemeinsam erzählten Geschichte.
  • Sure 9, Vers 40 verortet die Ruhe in der Höhle, während draußen die Verfolger stehen: Sakina ist die Ruhe am unwahrscheinlichsten Ort, nicht die Ruhe des ungestörten Tages.
  • Sakina ist ein verbreiteter Frauenname; in der schiitischen Überlieferung trägt ihn eine Tochter al-Ḥusains.
  • Das Wort ist mit acht Buchstaben und schließendem ة deutlich länger als die üblichen Kalligrafie-Motive — die Verbindungen tragen hier die ganze Form. Wer es tätowieren lässt, sollte die Vorlage von einer arabischkundigen Person laut vorlesen lassen: Was sich nicht lesen lässt, ist auch nicht richtig gesetzt.

Literatur

  • Der Koran, wissenschaftliche deutsche Übersetzungen und Editionen.
  • Die hebräische Bibel (Tora), wissenschaftliche deutsche Übersetzungen.
  • Schimmel, Annemarie: Die Zeichen Gottes. Die religiöse Welt des Islam. C. H. Beck.
  • Wehr, Hans: Arabisches Wörterbuch für die Schriftsprache der Gegenwart. Harrassowitz.

Häufige Fragen

Was bedeutet das Wort Sakina?
Sakina (سكينة) bedeutet innere Ruhe und Gelassenheit. Die Wurzel s-k-n heißt ‚wohnen' und ‚zur Ruhe kommen' zugleich — gemeint ist also eine Ruhe, die einzieht und bleibt, nicht bloß die Abwesenheit von Lärm.
Warum heißt es, die Sakina werde herabgesandt?
Weil der Koran sie durchgehend als Gabe beschreibt, nicht als Leistung: In Sure 48, Vers 4 sendet Gott die Ruhe in die Herzen der Gläubigen herab. Das trifft eine reale Erfahrung — je entschlossener man Gelassenheit erzwingen will, desto sicherer erzeugt man Anspannung.
Wie hängt Sakina mit der Schechina zusammen?
Dem arabischen s-k-n entspricht das hebräische sch-k-n, ebenfalls ‚wohnen'. Die Schechina ist in der rabbinischen Sprache die Einwohnung Gottes bei seinem Volk; aus derselben Wurzel stammt der Mischkan, die Stiftshütte. Die Forschung nimmt verbreitet an, dass die koranische sakīna aus diesem jüdisch-aramäischen Sprachgebrauch stammt.
Was hat Sakina mit der Bundeslade zu tun?
In Sure 2, Vers 248 ist von der Lade (tābūt) die Rede, in der eine sakīna vom Herrn sei und ein Rest dessen, was das Haus Mose und Aaron hinterließ. Gemeint ist die Bundeslade der hebräischen Bibel — die Ruhe erscheint hier als etwas, das an einem Ort wohnt.
Ist Sakina dasselbe wie Gelassenheit oder Abstumpfung?
Nein. Wer nichts mehr fühlt, ist nicht ruhig, sondern taub. Die koranischen Stellen verorten die sakīna ausdrücklich in der Bedrängnis — in Sure 9, Vers 40 kommt sie in der Höhle über die Verfolgten, nicht am ungestörten Tag.
Welcher Kalligrafie-Stil passt zu Sakina?
Das geschwungene Diwani, dessen ineinandergelegte Linien das längere Wort zu einer geschlossenen Fläche zusammenziehen. Weil hier die Verbindungen die ganze Form tragen, gilt eine einfache Probe: Lass die Vorlage von einer arabischkundigen Person laut vorlesen — was sich nicht lesen lässt, ist auch nicht richtig gesetzt.

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